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Senioren: Jetzt geht noch der Rasensprenger an…

Jan Keller
vor 5 Stunden
4 Min. Lesezeit

Senioren 30+, FC Tägerwilen Grp. -  FC Pfyn, abgebrochen 4:2 (2:1)


Manch ein Senior kann auf eine lange und eindrückliche fussballerische Laufbahn zurückblicken und hat die eine oder andere Räuberpistole auf Lager, die nur allzu gerne ausgepackt wird. Spiele auf kaum bespielbarem, matschigem Terrain, Cupspiele gegen (Halb-)Profis, Umkleidekabinen in ehemaligen Schweineställen, Duelle mit ehemaligen Profispielern, bittere Niederlagen, in letzter Minute gedrehte Spiele … Die Liste liesse sich noch lange fortsetzen. Wer mal lauschen möchte, ist an einem Freitagabend herzlich eingeladen, die Obere Wiide zu besuchen. Eine weitere unglaubliche Geschichte sollte sich an diesem Dienstagabend abspielen. Auch die abgebrühtesten und erfahrensten Pfyner Senioren hatten so etwas noch nie erlebt und werden womöglich ihren Enkeln noch davon erzählen. Aber alles der Reihe nach …


Das Duell gegen die Senioren aus Tägerwilen stand an. Schon unzählige Male hatte man sich duelliert und sich auf dem Platz näher kennengelernt. Neu war indes, dass Tägerwilen zusammen mit Calcio Kreuzlingen in einer Gruppierung spielt und aufgrund des schlechten Zustands des eigenen Platzes ins Döbeli nach Kreuzlingen ausweichen musste. Ein verheerender Umstand, wie sich noch zeigen sollte. Coach Stalder konnte wiederum aus dem Vollen schöpfen und sogar Spieler an die Aktivteams ausleihen. So können diese immerhin Spielpraxis sammeln, wenn es für das Senioren-Aufgebot nicht mehr reicht. Tägerwilen ist als unangenehmer Gegner bekannt, und so appellierte der Coach an seine Mannschaft, aufmerksam zu sein und eng zu stehen.


Nach gewonnenem Münzwurf eröffneten die Pfyner das Spiel und suchten gleich die Offensive, fanden aber in der Anfangsphase ihren Meister im Tägerwiler Innenverteidiger Costachi, der wie eine Mauer stand. Auch die Tägerwiler waren offensiv ausgerichtet und hielten die Pfyner Hintermannschaft auf Trab. In der 13. Minute überwanden die Gastgeber mit einem Steckpass die Pfyner Defensive und Selimaj verwandelte eiskalt zum 1:0. Die Freude des Heimteams währte allerdings nur kurz. In der 17. Minute wurde Rollo von Negro in der Mitte lanciert. Der Ball wurde direkt in die Gasse geschickt, wo D. Wettach goldrichtig stand, alleine vor Torhüter Buff auftauchte und sich ebenfalls keine Blösse gab – 1:1. Die Pfyner hatten gerade etwas Oberwasser und waren richtig im Spiel angekommen, da wurde es plötzlich dunkel: Licht aus!


Fussballplatz Döbeli Kreuzlingen, 29.09.2026 um 20:51


Ein erfahrener Senior gerät ab diesem Ereignis noch nicht in Panik. Ausgefallene Flutlichtanlagen sind zwar nichts Alltägliches, gehören zu einer jahrelangen Karriere aber irgendwie mit dazu. Die Tägerwiler Verantwortlichen bekundeten allerdings einige Mühe, die Ursache für den Ausfall zu finden. Nach zehn Minuten war man dann zumindest zur Einsicht gekommen, den Sicherungskasten einmal zu überprüfen. Drei Minuten später konnte das Spiel – nun wieder mit Licht – fortgesetzt werden.


Die Tägerwiler konnten mit dem Unterbruch offenbar besser umgehen und gingen nur vier Minuten nach Wiederanpfiff abermals durch Selimaj in Führung. Auch danach hielten sie den Druck hoch. In der 33. Minute folgte ein weiterer Angriff, den Vidale mit einer Grätsche (!) gut 25 Meter (!!) vor dem Tor unterband. Das hatte er sich wohl über die Jahre bei seinen Vorderleuten abgeschaut. Schon in der nächsten Aktion folgte ein Pfostenschuss von Tägerwilen, bevor Herzog mit einem Weitschuss kurz vor der Pause mal wieder für etwas Gefahr auf der Gegenseite sorgte.


Da kein Pausentee gereicht wurde und 13 Minuten aufgeholt werden mussten, wurde die Pause kurzgehalten. Kleinere taktische Anweisungen wurden ausgetauscht und erste Wechsel vorgenommen. Auch nach diesem Unterbruch fanden die Tägerwiler besser ins Spiel. Ein weiter Ball in die Spitze, quergelegt auf Velev – und schon stand es in der 43. Minute 1:3. Die Tägerwiler hielten den Druck in der Folge hoch, während die Pfyner hauptsächlich damit beschäftigt waren, dem Offensivdrang der Gastgeber entgegenzuwirken. In der 52. Minute konnte sich Michel nach einem leichtsinnigen Pass in der Tägerwiler Abwehr den Ball schnappen, aufs Tor ziehen und erneut verkürzen. Doch auch diese Freude währte nur kurz: Ein ungenügender Rückpass wurde von Tägerwilen erlaufen, Selimaj lanciert und welcher Vidale keine Chance liess – 4:2. Auch darauf hätten die Pfyner Senioren beinahe eine Antwort gehabt. Stalder konnte sich im Mittelfeld den Ball erobern und allein aufs Tor ziehen. Wohl selbst davon überrascht, dass niemand ihn verfolgte und auch Torhüter Buff kaum eine Regung zeigte, setzte er den Ball knapp am linken Pfosten vorbei.


Wieder waren die Pfyner im Aufwind. Und wieder sollte es anders kommen. Es folgte ein weiterer, plötzlicher Unterbruch, den Assistenzcoach Höppner nüchtern und mit leicht genervtem Unterton folgendermassen festhielt:



Tatsächlich war an ein Weiterspielen nicht mehr zu denken. Gemäss Reglement erhält der Heimverein 30 Minuten Zeit, das Problem zu beheben. Es wurde telefoniert und herumgefragt, doch niemand fand einen Weg, den Wassermassen Einhalt zu gebieten.


Fussballplatz Döbeli Kreuzlingen, 29.09.2026 um 22:15


Eine Absprache zwischen den Captains und dem Schiedsrichter ergab, dass das Spiel beim Stand von 4:2 nicht beendet und gewertet werden sollte. Um 22:30 Uhr war dann auch die 30-minütige Wartefrist abgelaufen und der Unparteiische musste das Spiel als abgebrochen erklären.


Für den Schiedsrichter sollte der Abend allerdings noch eine weitere Überraschung bereithalten: Seine Kabine war im Laufe des Spiels abgeschlossen worden. Dank tatkräftiger Unterstützung einiger Pfyner Zuschauer konnte auch dieses Problem schliesslich gelöst und der Unparteiische mit seinen Habseligkeiten wiedervereint werden. Auf Bildmaterial wird an dieser Stelle ausdrücklich verzichtet.


Der eine oder andere Spieler hat in seiner Laufbahn wohl schon einen Spielabbruch erlebt. Einen, der durch eine Bewässerungsanlage ausgelöst wurde, dürfte allerdings kaum einer aufweisen können. Eine weitere Anekdote also, die ins Palmares aufgenommen werden kann. Gleichzeitig war es ein unrühmliches Ende eines Fussballspiels das unter keinem guten Stern stand: Spieldatum vorgezogen, auf fremdes Terrain ausgewichen, unterbrochen, weitergespielt, halb verdurstet, dann überflutet und schliesslich auch noch abgebrochen. Wie das Spiel gewertet wird oder ob es zu einer Wiederholung kommt, entscheidet nun der Fussballverband.


Für die Pfyner steht am nächsten Dienstag bereits das Nachholspiel gegen den FC Waldkirch-Bischofszell auf der Oberen Wiide an. Und falls dort die Sprinkler losgehen sollten, gilt wenigstens eines: Ein Durchgang in Pfyn dauert nur 15 Minuten…


30.09.2026 / Roman Gerber

 
 
 

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